Weiter zum Inhalt
26Okt

PM zum Naziangriff in Brandis auf RSL99

Kein Einzelfall, aber ein trauriger Höhepunkt

Zu den Vorfällen am Rande des Bezirksligaspiels FSV Brandis gegen Roter Stern Leipzig erklären Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis90/ Die Grünen Sachsen und Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus:

Die Geschehnisse in Brandis sind in mehrfacher Hinsicht schockierend. Zum einen wird damit eine neue Stufe der Eskalation von Seiten neonazistischer Kräfte in Sachsen dokumentiert, zum anderen ist es skandalös, dass die Polizei trotz Vorwarnung offensichtlich nicht in der Lage ist, die Sicherheit zu gewährleisten. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass die Polizei vorab über einen möglichen Angriff informiert war, müssen Konsequenzen gezogen werden.

Der offenbar gezielte Angriff von Neonazis und Hooligans auf Spieler und Fans von Roter Stern Leipzig ist ein erneutes Zeichen für das erhebliche Gewaltpotential der neonazistischen Szene in Sachsen. Wir fordern die sächsische Staatsregierung auf, sich dem Problem des Neonazismus in Sachsen offensiv zu stellen.

Die Gewährleistung der Sicherheit für alle gesellschaftlichen Gruppen ist die Grundlage einer funktionierenden Demokratie. Die Vorfälle von Brandis bezeugen das Problem des neonazistischen Potentials in Sachsen. Dieses ist auch im zunehmenden Maße eine Gefahr für die Demokratie. Dies gilt umso mehr, als dass Brandis als Beispiel für eine Vielzahl von ähnlichen Vorkommnissen im letzten Halbjahr in Sachsen gelten kann.

Wir fordern daher eine umfangreiche Aufarbeitung der Vorfälle. Die Fördergelder für Projekte zur Stärkung der Zivilgesellschaft müssen gesichert und angehoben werden. Wir fordern zudem den Sächsischen Fußballverband auf, daraus Konsequenzen zu ziehen und sich dem Problem endlich energischer zu stellen.

Jennerjahn kündigte zudem an, dass der Vorfall von Brandis ein parlamentarisches Nachspiel im Landtag haben wird.

22Okt

Leipzig eine Woche später

Selten gibt es in der Auseinandersetzung mit Neonazismus und menschenfeindlichen Einstellungsmustern schnelle und auf Anhieb erkennbare Erfolge zu verzeichnen. Umso schöner ist es, wenn es dann doch einmal gelingt.

Die Gegenkundgebung zur von Neonazis in Leipzig am 17. Oktober angemeldeten Demonstration “Recht auf Zukunft” ist ein solch seltener Fall. Rund 3.000 engagierten Bürgerinnen und Bürgern gelang es durch mehrstündigen friedlichen Protest das Fortkommen der extremen Rechten von ihrem Startpunkt am S-Bahnhof Sellerhausen zu verhindern.

Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg war das breite zivilgesellschaftliche Bündnis, das im Vorfeld geschmiedet wurde und auch das klare Bekenntnis des Leipziger Oberbürgermeisters und der Stadtratsfraktionen zu der Gegenkundgebung. Selbst CDU und LINKE ließen dafür ihre altbekannte Fehde ruhen und riefen die Bürgerinnen und Bürger auf, sich den Neonazis in den Weg zu stellen.

Ein zweiter Maßstab für den Erfolg, der erzielt wurde, sind jedoch die Diskussionen, die im Nachgang in den einschlägigen Internetforen der extremen Rechten entbrannt sind. Konfusion ist ein milder Begriff für das, was dort zu lesen ist. Die extreme Rechte fühlt sich gedemütigt wie schon lange nicht mehr, zumal dies offenbar nicht erwartet wurde. Eine Vielzahl von Artikeln auf dem einschlägig bekannten Neonazi-Portal altermedia und mehrere Hundert Kommentare von Leserinnen und Lesern des Portals dokumentieren dies eindrücklich.

Deutlich werden die massiven Grabenkämpfe innerhalb der extremen Rechten. Neonazis, die sich eher einen bürgerlichen Anstrich geben wollen, beschimpfen “autonome Nationalisten”, die wiederum ihre Hasstiraden über die “bürgerliche” Fraktion in die Öffentlichkeit tragen. Die Verhinderung der Neonazi-Demo hat dazu beigetragen, dass sich die verschiedenen Lager nun gegenseitig an die Gurgel gehen. Plötzlich ist die vermeintliche Homosexualität von Christian Worch – einschlägig bekannter Neonazi-Aktivist und in der Vergangenheit Anmelder zahlreicher Demonstrationen in Leipzig – Thema. Worch war weder in die Organisation der Demonstration vom 17.10. involviert, noch war er vor Ort.

Kein Vergleich, keine These ist zu absurd, als dass sie nicht von Neonazis publiziert werden würde. Der “Kessel von Leipzig” wird dort in die historische Tradition zum “Kessel von Stalingrad” gesetzt. Für die Gewalt aus den Reihen der Neonazis, die letztlich zur Auflösung der Kundgebung durch die Polizei führte, werden wahlweise Juden, Freimaurer, Bolschewisten, das System oder Antifa-Saboteure als Verursacher ausgemacht. Deutlich nachvollziehbar wird hier die These des Wissenschaftlers Kurt Lenk, der Rechtextremismus als Verschränkung zweier Wahnformen beschrieb: Größenwahn und Verfolgungswahn.

Umso aburder ist es, wenn nun ausgerechnet diese gescheiterte Neonazi-Demonstration vom Vorsitzenden der FDP-Fraktion im Sächsischen Landtag, Holger Zastrow, zur Begründung herangezogen wird, um das Versammlungsrecht in Sachsen noch vor dem 13. Februar einzuschränken. Seit Jahren ist die Landeshauptstadt Dresden um dieses Datum herum Schauplatz eines der derzeit größten Neo-Naziaufmärsche in Europa. Die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 durch die Alliierten dient den Neonazis heute als symbolträchtiges Datum zur Verbreitung ihres geschichtsrevisionistischen Weltbildes. Dem hatte die Stadt Dresden bislang wenig entgegenzusetzen. Zwar wurden jedes Jahr wieder Gegenkundgebungen organisiert mit häufig beträchtlichem Zulauf. Die Neonazis am Marschieren zu hindern konnte bislang jedoch nicht erreicht werden. Ein Grund dafür ist auch, dass insbesondere die CDU in Dresden sich bislang weigerte, sich an den Protesten gegen die Neonazi-Aufmärsche zu beteiligen und ihre Wählerschaft von der Notwendigkeit dessen zu überzeugen.

Statt also über eine unsinnige Einschränkung der Versammlungsfreiheit zu diskutieren, die zwar keinen einzigen Neonazi-Aufmarsch verhindern wird, aber dafür eine massive Beschädigung elementarer demokratischer Grundrechte bedeutet, sollte die Energie endlich dafür verwendet werden, genug Menschen auf die Straße zu kriegen, die sich dem Spuk von rechts außen friedlich entgegen stellen. Leipzig hat gezeigt, wie es funktionieren kann.

19Okt

Friedlicher Bürgerprotest in Leipzig gegen Nazi-Aufmarsch

Bürgerproteste sinnvoller als Versammlungsverbot “von oben”

“Die Leipziger Bürgerinnen und Bürger haben ein starkes Signal gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch gesetzt”, kommentiert Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, den gestrigen Bürgerprotest in Leipzig.

“Das Zusammenwirken eines breiten Spektrums ziviler und politischer Bündnispartner verhalf dem friedlichen Protest gleichfalls zum Erfolg”, erklärt Jennerjahn, der ebenfalls vor Ort war. “Positiv hervor zu heben ist auch die Arbeit der Polizei, die eine deutlich deeskalierende Strategie fuhr.”

“Ein Versammlungsverbot “von oben” wie es CDU und FDP im Vorfeld des 13. Februars in Dresden planen, ist weniger sinnvoll als ein breiter Protest aus der Mitte der Gesellschaft, an dem sich alle demokratischen Parteien – auch die CDU – beteiligen sollten”, kritisiert Jennerjahn den Entwurf eines Versammlungsgesetzes der Staatsregierung.

Nach Ansicht des demokratiepolitischen Sprechers ist dieses Gesetz “Symbolpolitik”, da Demonstrationen nicht effektiv verhindert, sondern lediglich zeitlich und örtlich verlegt werden. “Verbote ersetzen nicht den aktiven Einsatz für Demokratie, auch nicht am 13. Februar in Dresden.”

17Okt

Leipzig, das war spitze

Für den heutigen 17. Oktober hatten Neonazis aus ganz Deutschland für eine Demonstration in Leipzig unter dem Motto “Recht auf Zukunft” geworben. Mehr als 1.000 fanden schließlich den Weg nach Leipzig. Allein, sie kamen nicht weit. Mindestens genauso viele GegendemonstrantInnen, mobilisiert durch ein breites zivilgesellschaftliches und überparteiliches Bündnis übten sich unter dem Motto “Leipzig nimmt Platz” im kreativen Protest und verhinderten, dass die Neonazis von ihrem Startpunkt am S-Bahnhof Sellerhausen loslaufen konnten. Dabei hatte es für die GegendemonstrantInnen, darunter zahlreiche PolitikerInnen verschiedener Parteien, zunächst gar nicht so erfolgversprechend begonnen. Gegen 12 Uhr waren es nur wenige hundert, zu wenig auf jeden Fall, um gegebenenfalls eine Räumung der Demo-Strecke durch die Polizei zu verhindern. Nach und nach jedoch füllte sich die Leipziger Eisenbahnstraße mit DemonstrantInnen und die Stimmung besserte sich zusehends.

Gegen 16 Uhr schließlich verloren ein paar Neonazis die Nerven und bewarfen die Polizei mit Steinen, die daraufhin die Demonstration auflöste und konsequent gegen die Neonazis vorging.

In Leipzig wurde heute gezeigt, was weitaus besser wirkt, als eine unsinnige Einschränkung des Versammlungsrechts, wie sie derzeit durch CDU und FDP in Sachsen vorbereitet wird: Eine aktive und wache demokratische Bürgerschaft. Bleibt zu hoffen, dass ein solcher Erfolg im Februar auch in Dresden verkündet werden kann.

16Okt

Anti-Nazi-Demo in Leipzig – GRÜNE: Martialische Aussagen der Polizei nicht hilfreich

Jennerjahn: Gegendemonstration wird nur erfolgreich, wenn sich viele Bürger beteiligen

Dresden/Leipzig. In der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag werden die zum Teil martialischen Aussagen des Leipziger Polizeipräsidenten Horst Wawrzynski im Vorfeld der morgigen Anti-Nazi-Demo bedauert.

“Die Gegendemonstration wird nur erfolgreich, wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger daran beteiligen”, so Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der Fraktion. “Es muss darum gehen, die Bürgerschaft zu mobilisieren. Die Aussagen des Polizeipräsidenten <<mit aller Konsequenz und aller gebotenen Härte>> gegen Störungen vorzugehen, sind da wenig hilfreich.”

“Ich erwarte von der Polizei, dass sie mit gebotener Klugheit und Angemessenheit die friedlichen Proteste gegen Nazis begleitet”, fordert Jennerjahn, der sich daran beteiligen wird. “Und das auch, wenn es zu Aktionen des zivilen Ungehorsams kommt. Demonstrationen stören immer, sonst wären sie keine.”

“Dass die Polizei gegen Gewalt vorgeht, ist eine pure Selbstverständlichkeit.”

16Okt

GRÜNE: Wer Auszubildende schlecht bezahlt, braucht über Fachkräftemangel nicht zu jammern

Jennerjahn: Steuerung des Ausbildungsmarktes durch Angebot und Nachfrage funktioniert nicht

Dresden. Zur heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse des Ausbildungsreports der DGB-Jugend Sachsen erklärt Miro Jennerjahn, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag:

“Offensichtlich funktioniert die Steuerung des Ausbildungsmarktes durch Angebot und Nachfrage nicht. Einerseits jammern die Betriebe wegen des drohenden Fachkräftemangels, andererseits werden Auszubildende mit Hungerlöhnen abgespeist und müssen länger arbeiten als es das Gesetz erlaubt.”

Mit Blick auf die Pläne von CDU und FDP, den Einfluss von Betriebsräten und Gewerkschaften einzudämmen, meint Jennerjahn weiter: “Die Studie zeigt deutlich, wie wichtig eine starke Arbeitnehmervertretung in den Betrieben ist. Offensichtlich haben manche Unternehmer noch nicht erkannt, dass die Auszubildenden von heute die Spezialisten von morgen sind. Fehlen die, hat auch das Unternehmen keine Zukunft.”

08Okt

Aussteigerprogramm – GRÜNE: Fortschritt, dass künftig auf die zivilgesellschaftliche Kompetenz gesetzt wird

Finanzierung des Aussteigerprogramms muss auch in Zukunft zusätzlich zum Landesprogramm ‘Weltoffenes Sachsen’ bereitgestellt werden

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag begrüßt die Korrektur der Staatsregierung bei ihrem ‘Aussteigerprogramm’.

“Es ist ein Fortschritt, dass künftig auch bei Aussteigerprogrammen auf die zivilgesellschaftliche Kompetenz gesetzt wird”, so Miro Jennerjahn, demokratiepolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion. “Damit werden die bislang weitgehend fruchtlosen Programme der Verfassungsschutzbehörden endlich weiter entwickelt.”

“Die Finanzierung des Aussteigerprogramms in Höhe von 260.000 Euro muss auch in Zukunft zusätzlich zu dem mit 2 Millionen Euro ohnehin unterfinanzierten Landesprogramm ‘Weltoffenes Sachsen’ bereitgestellt werden”, fordert Jennerjahn.

“Die Verlagerung des Landesprogramms ‘Weltoffenes Sachsen’ in das Innenministerium ist hingegen eine zweischneidige Angelegenheit”, meint Jennerjahn. “Die bisherige Zuordnung zur Staatskanzlei trug der Tatsache Rechnung, dass es sich beim Problem des Rechtsextremismus um eine Querschnittsaufgabe handelt. Positiv ist zu bewerten, dass mit Innenminister Markus Ulbig nun eine fachlich kompetente Person für die Programmumsetzung Verantwortung trägt. Diesbezüglich hat es in der Vergangenheit Probleme gegeben.”

“Für die Fördermittelvergabe sollte es auch zukünftig einen Beirat geben, der sich aus Politik und Zivilgesellschaft zusammensetzt. Nur so ist eine transparente Vergabepraxis gewährleistet.”

01Okt

Mitgliederversammlung KV Bautzen

06/10/2009
19:00bis21:00
22Sep

Fraktionssitzung

06/10/2009
10:00bis15:00
22Sep

Tag der offenen Tür im Sächsischen Landtag

03/10/2009
14:00bis18:00

Valides XHTML & CSS. Realisiert mit Wordpress und dem Blum-O-Matic -Theme von kre8tiv.
72 Datenbankanfragen in 0.989 Sekunden · Anmelden