Während die Blicke derzeit nach Dresden gerichtet sind und gespannt der morgige Samstag erwartet wird, an dem Neonazis wie auch in den letzten Jahren den 13. Februar für ihre verdrehte Weltsicht missbrauchen werden, gibt es für den 14.2. etwas überraschend auch eine Neonazi-Kundgebung in Wurzen. Motto: “Dresden – das deutsche Hiroshima und sie bomben weiter!” Angemeldet aus dem Umfeld des erst Ende letzten Jahres gegründeten JN-Stützpunktes Wurzen.
Aber auch in Wurzen regt sich zivilgesellschaftlicher Widerstand. Die evangelische Kirchgemeinde ruft dankenswerter Weise zu einem Friedensgebet auf. Den Wortlaut dokumentiere ich nachfolgend.
Aufruf!
Sehr geehrte Damen und Herren,
sicher haben Sie in der Presse verfolgen können, welcher Missbrauch des Gedenkens in Dresden am 13. Februar von Neonazis aus ganz Europa geplant ist. Diese versuchen die berechtigte Trauer und das Entsetzen über die totale Zerstörung der Stadt Dresden für ihre Ideologie zu missbrauchen.
Die erwarteten 6000 Rechtsradikalen versuchen mit einer Heroisierung der Opfer in Dresden die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren und zu verharmlosen. Dagegen wehrt sich ein breites Dresdner Bündnis “Erinnern und Handeln” mit einer Menschenkette hin zu einem Friedensgebet.
Und das soll uns hier in Wurzen etwas angehen – Dresden ist doch weit weg, mag mancher denken. Auch hier in Wurzen haben Neonazis eine Demonstration angemeldet.
Die “Jungen Nationaldemokraten Muldental” planen eine Versammlung am 14.02. um 15.30 Uhr auf dem Wurzener Markt. Also einen Tag nach Dresden unter einem ähnlichen Motto: “Dresden — das deutsche Hiroshima und sie bomben weiter!”.
Dies wollen wir so in unserer Stadt nicht stehen lassen. Deshalb ruft die Evangelische Kirchgemeinde alle demokratisch gesinnten Bürger und Bürgerinnen Wurzens dazu auf an diesem Tag zur selben Zeit zusammen zu kommen und für Frieden und Toleranz einzutreten. Die Vielfalt Wurzens sollte größer sein als die ‘braune Einfalt’.
Wir laden Sie am 14.02.2010 um 15.30 Uhr in die Wenceslaikirche zu einem Friedensgebet ein.
Dort wollen wir beten für Frieden und Menschenwürde, für gleiche Rechte aller Menschen ohne Ansehen der Religion, der Nationalität, der Hautfarbe, des Geschlechts und des Standes, für Stärkung des gesellschaftlichen Engagements gegen Menschenfeindlichkeit und Gewalt.
Sie sind herzlich willkommen, auch wenn Sie keiner christlichen Kirche angehören.
Stellen Sie sich mit uns in die Tradition der Friedensgebete in den Kirchen der DDR.
Gebete und Kerzen haben schon einmal sehr viel bewirkt.
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